Heute beinhaltet der Great Pacific Garbage Patch 79.000 Tonnen Kunststoffabfälle, nahezu die Hälfte besteht aus Fischernetzen, die andere Hälfte ebenfalls hauptsächlich aus Fischerei-Zubehör. Forscher vermuten, dass rund ein Fünftel des Müllteppichs von den Folgen des Tsunamis 2011 in Japan stammt. Die andere Hälfte des treibenden Plastiks stammt aus Asien, jeweils ein Drittel der schwimmenden Kunststoff-Objekte weisten japanische oder chinesische Beschriftung auf.
Als weitere Hauptverursacher des pazifischen Müllstrudels gelten Indonesien, Vietnam und die Philippinen. Im Indischen Ozean findet sich besonders viel Plastikmüll an den großen Flussmündungen von Indus und Ganges in Indien. „In Südostasien beispielsweise gibt es zahlreiche wilde, teils legale, teils illegale Deponien. Hier werden Kunststoffabfälle einfach auf einem Haufen gesammelt. Vorzugsweise in Tälern und in aller Regel fließt am Grund des Tals ein Fluss. Wind oder Überschwemmungen sorgen dafür, dass erhebliche Teile des Plastikmülls zunächst in den Flüssen landen und später im Meer“, berichtet Henning Wilts.
Einige Studien schlussfolgern, dass der größte Teil des Plastiks im Meer aus Quellen an Land stammt. Studien gehen davon aus, dass die Müllteppiche sich bis 2050 verdreifachen werden. Schon jetzt sind die Folgen dramatisch: Es sterben rund 100.000 Meeresbewohner jedes Jahr. Doch die Folgen des treibenden Mülls sind weitreichender: Korallenriffe sterben ab, die für die Aufrechterhaltung des Erdklimas eine entscheidende Rolle spielen.
Kunststoff, einmal den Elementen ausgesetzt, zersetzt sich nur langsam. Er wird brüchig, zerfällt in kleinere Stücke, durch Abrieb und Witterungseinflüsse werden die Kunststoffteile pulverisiert. Jetzt kommt ein weiteres Problem hinzu: Mikroplastik (unter fünf
Millimetern Durchmesser) und Nanoplastik. Stücke kleiner als ein Tausendstel Millimeter können von kleinen Meereslebewesen wie Plankton aufgenommen werden und gelangen so in die Nahrungskette. Plastikfragmente können an ihrer Oberfläche Giftstoffe anreichern. An Mikropartikeln aus Polyethylen, dem meistverwendeten industriellen Kunststoff, lagern sich vorzugsweise polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe an bis hin zu krebsverursachenden Chemikalien wie DDT und Polychlorierten Biphenylen. An Stränden fanden Forscher Mikroplastik aus Kleidung wie Fleece. In unserem Essen finden sich früher oder
später kleinste Kunststoffpartikel.
Es gibt einige vielversprechende Ansätze, um den Unrat aus den Meeren zu fischen, so beispielsweise mit einem überdimensional großen Kamm. Ein erfolgversprechendes Konzept des 19-jährigen Niederländers Boyan Slat besteht aus 50 Kilometer langen,
V-förmig angeordneten Schläuchen, die an der Meeresoberfläche 90 Prozent des schwimmenden Plastikmülls sammeln. „Das gesamte, gigantische Problem wird sich voraussichtlich nicht allein durch Projekte dieser Art lösen lassen. Es befindet sich bereits
jetzt schon der größte Teil des Plastikmülls unterhalb des Meeresspiegels. Damit ist an den Müllteppich unterhalb des Meeresspiegels kaum mehr heranzukommen. Ein weiteres Problem ist die Aufarbeitung des Plastikmülls, der aus dem Meer aufgesammelt wurde. Der Kunststoff ist so verunreinigt und verwittert, dass er oft nur unter enorm hohem Ressourcenaufwand
aufgearbeitet werden kann, um ihn wieder in den Kreislauf einzubringen“, so Henning Wilts.
Experten gehen davon aus, dass zwei Drittel des Plastikmülls auf dem Meeresgrund lagern. Wären das alles nicht langfristig gute Gründe, um in Zukunft komplett auf Kunststoffe zu verzichten? „Generell ist ein Verzicht auf Kunststoff nicht unbedingt sinnvoll und in vielen Bereichen auch gar nicht möglich. Ein Krankenhaus ohne Kunststoff wäre nicht vorstellbar. Elektroinstallationen in Häusern wären nicht umsetzbar und bei Mobiliar müsste Kunststoff dann beispielsweise durch Holz ersetzt werden – eine nur sehr langsam nachwachsende Ressource.
Ein Auto ohne Plastik zu konstruieren würde bedeuten, dass dieses Auto enorm schwer ist und erheblich mehr Treibstoff verbraucht. Auch beim Thema Biokunststoffe muss man die Überlegung voranstellen, wofür wir die global begrenzten Ackerflächen möglichst sinnvoll nutzen wollen“, so Henning Wilts.