Lobbe - 18.05.2012

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TATSACHEN ONLINE

Dach der Berliner Staatsbibliothek entkiest

B e r l i n . 100 Klimaanlagen arbeiten in der Staatsbibliothek Berlin. Vor der Wende in grenznaher Randlage eher abseitig rückte sie nach dem Mauerfall direkt in die Mitte der Hauptstadt an den Potsdamer Platz und wurde damit auch zum weiteren architektonischen Mittelpunkt des Quartiers. 50 Millionen Euro investieren je zur Hälfte der Bund und das Land Berlin nun in die Sanierung des 14-geschossigen Gebäudes, das Hunderttausende Bücher beherbergt. Die mögen es gern wohl temperiert: 18 Grad Celsius bei 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, damit der Gilb keine Chance hat und aus dem Papier kein bröckeliges Pergament wird. Die vielen literarischen Schätze der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sollen schließlich der Nachwelt erhalten bleiben. Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig.

An einem naßkalten Wintertag stießen in der Staatsbibliothek zwei Welten aufeinander. Die der Bücherfreunde und die von Lobbe. Hier das Streben nach absoluter Ruhe beim konzentrierten Lesen, dort das Streben, von zwei Dachebenen mit insgesamt 2000 Quadratmetern Fläche möglichst effektiv rund 100 Tonnen Kies zu entfernen. Das geht nun gar nicht geräuschlos: Die Kiesel klackerten laut und vernehmlich, wenn sie, angesaugt von mehreren hundert Pferdestärken, durch eine etwa 70 bis 80 Meter lange Rohrstrecke im Kessel des „Vacupress 8000“ aufschlagen. Von der Geräuschkulisse her übrigens alles nur die Ouvertüre. Als es mit der Sanierung der Staatsbibliothek richtig losging, sehnten sich die Bücherwürmer nach dem Lobbe-Lärmpegel.

Der Kies mußte vom Dach, weil im Zuge der Sanierung asbesthaltige Lüftungskanäle durch umweltfreundliche ersetzt werden. Während dieser Zeit sollen die Bücher aber auf gewohnt gute Luft nicht verzichten. Daher wurden auf dem Dach provisorische Ansaugkomponenten installiert. Die wiegen aber einiges und so ließ es sich aus statischen Gründe nicht umgehen, das Flachdach um den Kies zu entlas-ten. Übrigens unter Ausschöpfung der zeitlichen Sicherheitsreserve, die auch jeder clevere Handwerker für sich einplant: Länge der Rohrstrecke und der gesamte Höhenunterschied setzten der maschinellen Supersaugkraft ein klares Limit und so lag die tägliche Quadratmeterleistung niedriger als veranschlagt. Die Physik ist eben nicht außer Kraft zu setzen.

Spätestens 2012, wenn die Sanierung der Staatsbibliothek dem Ende entgegen gehen wird und der Komplex in neuem Glanz erstrahlt, dürfte Lobbe an gleicher Stelle wieder aktiv werden. Denn der Kies muss dann wieder hinauf auf das Dach. Stellt sich nur die Frage: „Wie?“ Denn den Kies über diese Strecke hochzupumpen, ist rein physikalisch betrachtet nicht möglich. Doch vielleicht ergibt sich ja trotzdem eine Lösung. Zeit genug ist ja noch. Auch zum Nachdenken. (-M-)