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Quecksilberrückgewinnung: Lobbe-Anlage nimmt in Nordböhmen Regelbetrieb auf

U s t i   n a d   L a b e m . Modernste Umweltsanierungstechnologie „Made in Germany“ arbeitet nun auch in Nordböhmen. Das deutsche Unternehmen Lobbe hat nach erfolgreichem Testbetrieb zum Jahreswechsel eine schlüsselfertige vakuumthermische Bodenbehandlungsanlage an den tschechischen Baukonzern GEOSAN (Prag) übergeben. GEOSAN wird zukünftig in Usti nad Labem (Aussig an der Elbe) Quecksilber aus Böden zurückgewinnen, die in den vergangenen Jahrzehnten bei chemischen Prozessen mit dem hochgiftigen, aber dennoch wertvollen Schwermetall kontaminiert wurden.

Nach Angaben von Lobbe wurden während des Testbetriebes bereits etwa 700 Tonnen Erdreich durch die zweistufige Spezialanlage geschickt. Innerhalb des Probelaufes seien keine technischen Probleme aufgetreten. Inzwischen sei es auch möglich, den Verfahrensprozess auf andere Schadstoffe einzustellen. Eine Pilotanlage hatte Lobbe bereits im Jahre 2003 in Rositz (Thüringen) in Betrieb genommen. Das mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Iserlohn ansässige Unternehmen teilte mit, es wolle in den nächsten Jahren weitere Anlagen unter eigener Regie projektieren, bauen und gegebenenfalls auch selbst betreiben.

Die in Usti errichtete Vakuumthermik ist auf eine siebenjährige Betriebszeit ausgelegt und soll etwa 250.000 Tonnen Böden reinigen. Das zweistufige Verfahren für die Extraktion des Quecksilbers gilt als besonders effektiv. Abhängig von den Bodeneigenschaften kann bei nichtgebundenem Quecksilber eine außergewöhnliche Rückgewinnungsquote von bis zu 99 Prozent erreicht werden. In Usti liegt der Wert bei fast 96 Prozent. Das Schwermetall erzielt derzeit auf den Rohstoffmärkten im Vergleich zu früheren Jahren steigende Verkaufserlöse, da immer mehr Quecksilberminen wegen der gefährlichen Bedingungen beim manuellen Abbau geschlossen werden.

GEOSAN erhielt den Auftrag zur Sanierung des quecksilberkontaminierten Bodens über eine öffentlichen Ausschreibung durch den staatlichen Fond der Tschechischen Republik und beauftragte seinerseits das Konsortium ThyssenVeag Flächenrecycling (TVF)/Lobbe mit der Projektierung und dem Bau der Vakuumthermik bis hin zur schlüsselfertigen Übergabe. Am Zustandekommen der tschechisch-deutschen Kooperation beteiligt war auch der Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Er förderte in de Anfangsphase eine konstruktive Kommunikation zwischen den Beteiligten. TVF hat seinen Sitz im brandenburgischen Lübben. Lobbe, eines der führenden privaten deutschen Sanierungs-, Industrieservice- und Entsorgungsunternehmen, steuerte das Projekt von seiner Niederlassung in Teutschenthal aus und wird für GEOSAN noch einige Zeit beratend tätig sein, um das tschechische Personal zu 100 Prozent mit der Anlage vertraut zu machen.

Den Markt für weitere vakuumthermische Anlagen sieht Lobbe nicht nur in allen Ländern Europa, sondern auch im Nahen Osten und Übersee. Konkrete Anfragen lägen unter anderem aus einem Ölförderland vor. In Tschechien sind bereits die Vorplanungen für den Bau einer zweiten Anlage im Osten des Landes im Gange.

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Jörg Mueller
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